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Da nicht für

Dieses Jahr war ich an einem Projekt beteiligt, das mit dem großen persönlichen Einsatz vieler Einzelner erfolgreich zum Ziel gebracht wurde. Zwischendurch wackelte und eierte es, das Ergebnis war aber letztlich gelungen.

Im Nachgang bedankte sich der Projektverantwortliche bei mir für die Unterstützung. Darüber freute ich mich, denn es war wirklich sehr anstrengend gewesen. Nach einigem Abstand und Erholung merkte ich aber, dass da für mich etwas nicht ganz stimmig war.

Dieser Dank war anerkennend und wertschätzend, passte in die Situation und war dem Gesamtprojekt angemessen. Aber die Formulierung ließ erkennen, dass dieser Projektverantwortliche meinen Einsatz als Unterstützung für sich persönlich empfunden hatte.

Das fand ich schwierig.

Beitrag oder Beistand

Von der menschlichen Seite her ist es klar: In einer prekären Lage Unterstützung zu erfahren, ist eine intensive persönliche Erfahrung. Man kann die Erleichterung nachempfinden und die Vorstellung, was ein Scheitern des Projekts persönlich bedeutet hätte, von finanziellen Konsequenzen bis zu einer beschädigten Reputation.

Aber bei allem Verständnis und auch viel Sympathie hatte meine Unterstützung nicht der Person gegolten, sondern dem Gesamtprojekt und dessen Gelingen. Ich hatte meine berufliche Expertise eingesetzt, um möglichst nicht nur ein Scheitern abzuwenden, sondern auch etwas Besseres als „ok, hat doch geklappt“ zu erreichen.

Den Dank nun für den persönlichen Beistand zu bekommen, bedeutet, dass mein Engagement für das Gelingen des Projekts als persönlicher Gefallen aufgefasst wurde – und das ist das Schwierige.

Der Fokus liegt damit auf Beziehung und Loyalität und nicht auf einem Sachziel, das objektiv und vergleichbar ist, also quasi als Arbeitsprobe, als Leistungsnachweis gelten kann.

Antwort mit Anstand

Ich sehe durchaus die Problematik: Die innere Motivation des Engagements ist von außen nicht unmittelbar erkennbar. Die gemeinsame Arbeit an einem Sachziel geschieht ja über die Menschen, mit denen man in Beziehung steht.

Thematisieren kann man diese Schwierigkeit in der Situation eigentlich nicht. Um angemessen zu reagieren, muss ich die persönliche Ebene und die professionelle Ebene trennen. Das heißt beobachten und still unterscheiden, was ich aus dieser Erfahrung über mich selbst gelernt habe und welche Erkenntnisse ich über andere Beteiligte gewinne. Die auf allen Ebenen passendste Erwiderung ist dann einfach „Danke, da nicht für.“