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Argentum Argumentum

Neulich hatten wir eine Situation, diesen Moment in einer Auseinandersetzung, bei der man hinterher denkt „Was war DAS denn jetzt“ und erst ins Nachdenken gerät, um ein paar Ecken und ein paar Stufen hoch und runter, und dann ziemlich sauer wird.

Es ist egal, worüber diese Auseinandersetzung geführt wurde, aber sie fand im Umfeld des Ehrenamts statt, in dem es im Grundsatz um persönliches Engagement und den ideellen Beitrag geht. Unvermittelt warf eine Person eine Aussage in die Runde und nannte einen Betrag dafür, was ihr Einsatz für ein gemeinsames Projekt bisher in Euro ausgemacht hatte.

Niemand ließ sich auf dieses Argument ein, niemand begab sich auf diese Diskursebene, es ging eigentlich um etwas ganz anderes und man einigte sich in der Sache. Was mich aber irritierte, war nicht nur, dass ein Tabu gebrochen wurde, sondern speziell auch die Höhe der Summe: Ein fünfstelliger Betrag war genannt worden und das ließ mich nicht mehr los.

Die Summe klang beeindruckend und wichtig, sie war auch nicht völlig unrealistisch gemessen an dem, was bisher zum Einsatz gekommen war an Technik, Planungsleistungen und Personentagen.

Zählbar machen

Ich fühlte mich herausgefordert, still für mich auszurechnen, was denn eigentlich mein privater Einsatz in Geld umgerechnet gewesen wäre. Meinen Zeitaufwand für dieses Projekt konnte ich schätzen und mit einem Stundensatz malnehmen.

Das Ergebnis verblüffte mich, denn es waren ein paar kümmerliche 100 Euro für ziemlich viel Einsatz. Wieviel Zeit musste jemand aufgewendet haben, der auf 10.000 Euro gekommen sein wollte? Was rechnete dieser Mensch da alles? Sollte meine Zeit so viel weniger wert gewesen sein, und wenn ja, warum? Oder umgekehrt: Was machte diesen anderen Einsatz so viel wertvoller?

Beim Vergleich des Hintergrunds kam ich darauf. Die Person rechnete aus unternehmerischer Sicht und setzte, ob absichtlich oder nicht, die Verkaufspreise für Personentage und Technikereinsatz gegenüber Kunden an. Ich hingegen hatte als normale Angestellte automatisch den ungefähren Stundensatz aus meiner Erwerbstätigkeit genommen.

Vergleichbar machen

Wieder so ein Ärger-Flash und dann die Neubewertung. Hier ging es um Projektarbeit, zum Kuckuck, es gab keinen Grund, für mich selbst einen geringeren Satz anzunehmen. Und siehe da, mit dem Tagessatz, den ich für freiberufliche Beratung in meinem Spezialgebiet ansetzen würde, kam ich auf einen mittleren vierstelligen Betrag.

Damit bin ich schon in einer anderen Liga des Vergleichs. Dass dieser Betrag völlig fiktiv ist, spielt keine Rolle – es ist schließlich nicht so, dass zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich dieses Geld geflossen wäre, egal bei wem.

Aber indem ich in diesem Vergleich des Wichtigmachens und des Aufplusterns mich bewusst aufs Umrechnen einlasse, versetze ich mich in die Lage, auf dem selben Level zu kontern. Jemand rechnet in Geld? Ok, dann ich auch. Mit welchen Sätzen wird da gerechnet? Ok, die gelten für mich schon lange.

Streitbar machen

Damit mache ich ein schwammiges Thema konkret. Und eigentlich will ich damit nicht wirklich auf- und gegenrechnen, sondern bei demjenigen, der sich aufplustert, zurückplustern – oder vielmehr: Ich will darauf vorbereitet sein. Es geht dabei ja nicht wirklich um das Geld, sondern um das, was Geld bedeutet.

Ich will auf die Ebene der selben Sprache, der selben Argumente, der selben Kriterien; ich will gleiche Regeln für alle Beteiligten. Denn ich finde es unlauter, den eigenen Idealismusbeitrag gegen den Idealismusbeitrag der anderen aufrechnen. Jemand verlässt die Konvention, die Tabuzone des „Geld ist nicht wichtig“ und die anderen sind darauf nicht vorbereitet.

Wenn diese eine Person jetzt die Ebene, den Bezugsrahmen, verlässt, dann tu ich das auch. Mit meiner fiktiven Bepreisung nehme ich die anderen in meiner Gruppe mit, wenn sie es denn wollen, mit in eine Arena, in der das selbe Maß für alle gilt, die sich engagiert haben.